Krieg gegen die eigene Bevölkerung – Lenins kommunistische Machtübernahme

Nimm vom Staat das Recht weg, was bleibt dann als eine große Räuberbande?

— Hl. Augustinus von Hippo (Kirchenlehrer)

Krieg gegen die eigene Bevölkerung – Lenins kommunistische Machtübernahme

„Bei der Ermordung der Zarenfamilie probt Lenin auf seine Weise die Annäherung an die Nullpunkt-Aktion der politischen Sphäre: Er verfügt den politischen Mord als reine Liquidation. Diese ihrerseits gründet im Nullpunkt-Sprechakt des Politischen, der reinen Feind-Erklärung. Souverän ist, wer über die namentliche Nennung des zu tötenden Feindes entscheidet. Diese Information sollte sich Stalin, damals noch subalterner Mitarbeiter Lenins im Rat der Kommissare, besser als jeder andere merken. Die Durchsicht von Listen mit den Namen von zu Liquidierenden bildete für ihn später einen Teil des täglichen Pensums.

Am Paradigma der nicht-alltäglichen Auslöschung von Jekaterinburg läßt sich ablesen, in welche Richtung Lenins Ideen über den Fortsetzungskrieg zielten. Nachdem ihm der Frieden von Brest-Litowsk die Hände für Zugriffe an den inneren Fronten freigemacht hatte, zögerte er nicht, den zweiten Krieg zu eröffnen, von dem er als Marx-Leser zu wissen meinte, er stelle den wahren Krieg der Kriege dar, ja, den Urkonflikt der Menschheitsgeschichte – den seit der Antike überfälligen Feldzug der unglücklichen Volksmassen gegen den immerwährenden Feind, die ‚herrschende Klasse‘ und ihre Parasiten und Helfer, die Priester und intellektuellen Verteidiger des ‚Bestehenden‘.

Unter Lenins Führung nimmt er die Form des Bürgerkriegs einer aktiven Minderheit gegen die ohnmächtige Mehrheit an. Er erweist sich als ein Krieg, der sich als pädagogische Maßnahme gegen die Bevölkerung des eigenen Landes ausgibt. Noch immer fällt es schwer zu glauben, daß zu Lenins Großer Didaktik die physische Vernichtung der widerspenstigen Schüler gehörte. Sprächen nicht die Tötungsstatistiken eine deutliche Sprache, man würde schwören, es könne sich nur um ein Stück phantastischer Literatur handeln.

Peter Sloterdijk (Die schrecklichen Kinder der Neuzeit)

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