„Wer soll herrschen? Sollten die Menschen frei sein, ihren eigenen Weg zum Glück zu wählen? Oder sollte ein Diktator seine Mitmenschen wie Schachfiguren benutzen, um sich selbst glücklicher zu machen?
Wir mögen zugeben, daß einige Fachleute mit der Ansicht richtig liegen, daß die meisten Menschen sich bei der Verfolgung ihres Glückes unverständig verhalten. Aber man keinen Menschen glücklicher machen, indem man ihn bevormundet…
Wer soll das Land führen? Die Wähler oder die Bürokraten?
Jeder Halbgebildete kann eine Peitsche benutzen und andere Leute zum Gehorsam zwingen. Aber es erfordert Intelligenz und Sorgfalt, der Öffentlichkeit zu dienen. Nur einigen Leuten gelingt es, Schuhe besser und billiger als ihre Konkurrenten zu produzieren. Der uneffiziente Fachmann wird immer eine vorrangige Stellung der Bürokratie erstreben. Er ist sich völlig darüber im Klaren, daß er innerhalb eines Wettbewerbssystems keinen Erfolg haben wird. Für ihn ist die allumfassende Bürokratisierung ein Zufluchtsort. Mit der Macht einer Behörde versehen, wird er seine Anweisungen mit Hilfe der Polizei durchsetzen.
Dieser ganzen Verteidigung von Planwirtschaft und Sozialismus liegt oft nichts anderes zugrunde als das insgeheime Bewußtsein der eigenen Minderwertigkeit und Ineffizienz. Menschen, die sich ihrer Unfähigkeit im Wettbewerb bewußt sind, verachten ‚dieses kranke Konkurrenzsystem‘.
Wer seinen Mitmenschen nicht zu dienen in der Lage ist, will sie beherrschen.“
Ludwig von Mises (1944)
„Das Verschwinden des kritischen Geistes ist eine ernsthafte Bedrohung für den Erhalt unserer Zivilisation. Scharlatane haben es dadurch einfach, das Volk hinters Licht zu führen. Bemerkenswerterweise ist die gebildete Schicht einfältiger als die ungebildete. Die begeistertsten Anhänger des Marxismus, des Nationalsozialismus und des Faschismus waren die Intellektuellen, nicht die Grobiane. Die Intellektuellen waren niemals ernsthaft daran interessiert, die augenscheinlichen Widersprüche ihrer Glaubensbekenntnisse zu sehen. Es beeinträchtigte die Beliebtheit des Faschismus nicht im mindesten, daß Mussolini in der gleichen Rede die Italiener als die Vertreter der ältesten westlichen Zivilisation und als die jüngste der zivilisierten Nationen preiste. Kein deutscher Nationalist stieß sich daran, daß der dunkelhaarige Hitler, der fettleibige Göring und der lahme Goebbels als die schimmernden Vertreter der hochgewachsenen, schlanken, blonden und heroischen arischen Herrenrasse gepriesen wurden. Ist es nicht verwunderlich, daß viele Millionen Nicht-Russen fest davon überzeugt sind, daß das Regierungssystem der Sowjets demokratisch ist, sogar demokratischer als Amerika?
Dieses Fehlen der Kritik macht es möglich, den Leuten zu erzählen, daß sie in einem Regierungssystem allumfassender Reglementierung freie Menschen sein werden. Die Leute stellen sich ein System, in dem sich alle Mittel im Besitz des Staates befinden und in dem der Staat der einzige Arbeitgeber ist, als ein Reich der Freiheit vor. Sie berücksichtigen niemals die Möglichkeit, daß der allmächtige Staat ihrer Utopie nach Zielen streben könnte, die sie selber völlig ablehnen. Stets nehmen sie stillschweigend an, daß der Diktator genau das tun wird, was er nach ihren Wünschen tun sollte.“
Ludwig von Mises (1944)



