Gedanken zur US-Präsidentschaftswahl 2020

Ein Kommentar von Heiko Schilling-Klumpen

Ich habe lange gezögert, ob es wert sei, meine Gedanken und Meinungen, die mich möglicherweise angreifbar machen könnten, zur US-amerikanischen Präsidentschaftswahl 2020 niederzuschreiben.
Ist es für mich als Kontinentaleuropäer überhaupt von Wert?
Diese essentielle Frage stellte ich mir oft in den letzten Tagen, als ich durch den Wald und über Grasfelder lief. Natur erdet Seele und Verstand, sagt man. Jetzt, wo doch fast alle internationalen und auch die europäischen Massenmedien multimedial orchestriert landauf und landab – von Norwegen bis Malta, von den leergefegten Stränden der Kanaren bis zur Goldküste Rumäniens – den Namen von Joseph Robinette ,,Joe“ Biden in großen Buchstaben zum neu gewählten US-Präsidenten verkünden.

Es kommt mir einer gigantischen Offenbarung gleich. Wurde etwa ein neuer Messias gewählt und ein blondbehaarter Dämon abgewählt?
Das Ganze nimmt regelrecht religiöse Züge an und ich frage mich allen Ernstes: gibt es demnächst sogar zwei gleichzeitig amtierende US-Präsidenten in den (Un)Vereinigten Staaten von Amerika? Joe Biden für alle demokratisch gewählten US-Bundesstaaten auf der einen Seite und Donald Trump für alle republikanischen? Hochgerüstet mit Mistgabeln, Baseballschlägern und Gewehren auf der republikanischen und mit molotowartigen Chai-Latte-Getränkedosen, brennenden Fackeln und mit blauer Farbe prall gefüllten Luftballons auf der anderen Seite.
Das erinnert mich irgendwie an meinen Geschichtsunterricht… damals… die ,,gute alte Zeit“ bei meiner Lieblings-Geschichtslehrerin Frau Bühler… als das sogenannte Große Abendländische Schisma von 1378 dazu führte, dass zwei Päpste – einer in Rom und einer in Avignon – sich die Macht innerhalb der katholischen Kirche unfreiwillig teilen mussten. Wer teilt schon gerne Macht?!
Heute, am Freitag, den 13.11.2020 kommt kein Weißer Ritter dahergeritten und bringt für alle Wartenden, Zweifelnden, Verzweifelten, sich gegenseitig Bekämpfenden und sich nunmehr in juristischer Schlacht befindlichen Menschen die Erlösung. Mit jeder neuen Schlagzeile zur US-Präsidentschaftswahl 2020 steigt entweder der Puls der einen Seite oder der Puls der vermeintlichen Gegner auf über 180. Was ist bisher schon alles geschehen seit dem 03.11.2020: ein Verteidigungsminister namens Mark Esper (ein ehemaliger Lieutenant Colonel) wurde nach einer Halbwertszeit von nur vier Monaten aus seinem Amt entfernt und der FBI-Chef Christopher Wray könnte dessen Nachfolger bis zum Ende dieses Jahres werden. Die Wahlergebnisse werden in wenigstens zwei US-Bundesstaaten immer noch gezählt und in anderen nachgezählt. Jede Seite beschuldigt die andere der Wahlmanipulation, der illegalen Einflussnahme auf die Wahl und dessen Auszählung durch möglicherweise manipulierte Software und Zählautomaten, die Verweigerung der korrekten Wahlbeobachtung, die Manipulation der Wahlzettel mittels Durchstreichens der gewählten Kandidaten und Neu-Ankreuzens des Gegenkandidaten in Wahlbüros und das Rückdatieren von ganzen Wahlscheinen (den sogenannten Ballots) sowie das ,,mysteriöse“ Auffinden von hunderttausenden Wahlscheinen in sogenannten US-Post-Trucks in der Nacht an unbekannten Orten, welche laut Aussagen der Trumpschen Anwälte fast ausschließlich nur Wahlscheine zugunsten für Joe Biden enthielten.
Ein riesiges Chaos ist entstanden. In den Wahltagen und -nächten; aber was noch viel schlimmer wirkt, sind die gravierenden Auswirkungen auf die Menschen selbst. Unsicherheit, Aggressivität und der reputationsschädigende Begriff des gezielten und flächendeckenden Wahlbetrugs machen die Runde. Ein schweres Erbe für den kommenden 46. US-Präsidenten.
Der amtierende 45. US-Präsident Donald John Trump verweigert die Anerkennung des vermeintlichen Wahlsiegs von Joe Biden und der uns gänzlich unbekannten Kamala Devi Harris – eine Juristin und Politikerin zur Vizepräsidentin.
Ja wie kann er nur, dieser Donald?… so die Meinungen der Presse unisono in den USA und Europa. Dieser Typ mit der schrecklichen Frisur und dem Übergewicht. Machte es sich vier Jahre bequem im Weißen Haus in Washington D.C.
Nicht, dass dieser Unhold am Ende noch das Weiße Haus kauft und dann sein Hausrecht durchsetzen würde… womöglich müssten das FBI, der Secret Service und das Militär diesen vermeintlich rechtsradikalen, homophoben, selbstverliebten – ja durchgeknallten – schlechten Wahlverlierer und Psychopathen noch aus dem Oval Office mit Gewalt hinausschleifen, während Donald sich händeumklammernd am Mahagonitisch festkrallt und womöglich aus lauter Hass noch den ominösen Roten Knopf in letzter Sekunde drückt und die Nuklearraketen sich aus ihren Silos erheben und die Welt in ein atomares Inferno verwandeln.
Sie merken, wie absurd diese Propaganda derzeit läuft.
Es ist mir egal, ob Biden oder Trump im Weißen Haus sitzen… so dachte ich bis gestern Abend.
Nein, es ist nicht egal, wer da ,,oben“ im Chefsessel sitzt und die Verfügungsgewalt über das schlagkräftigste sowie materiell und finanziell am besten ausgestattete Militär inklusive des
US Strategic Command (USSTRATCOM) mit tausenden Nuklearwaffen hat – als sogenannter Commander-In-Chief.
Nein, es ist nicht egal, wer der Wahlsieger ist und es kann unmöglich egal für den Rest der Welt sein, ob der neue oder der alte US-Präsident die Wahl 2020 durch Wahlbetrug gewonnen hat oder nicht.
Haben wir den Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen und reflektieren die Vorgänge kritisch mit wachem Verstand – jenseits deutscher oder europäischer Politik. Lassen wir uns nicht manipulieren durch Medien, Meinungen, Kommentare, ellenlange Zeitungsartikel für oder gegen Trump und Biden, stundenlange Schein-Diskussionen im Fernsehen oder im Internet.

Wir sollten in Ruhe beobachten, wie sich die Dinge weiterentwickeln und welcher der beiden
US-Präsidentschaftskandidaten am Ende große Schande unter die Kuppel der Kathedrale jener
US-Demokratie gebracht hat. Der Supreme Court wird das letzte Wort sprechen und mit ihm wird hoffentlich Klarheit bestehen, welcher Kandidat der neue oder der alte Commander-In-Chief sein wird.

Eines kann ich Ihnen garantieren: neben dem Supreme Court hat die US-Bevölkerung schon zweimal die richtige Entscheidung getroffen, wie mit ähnlichen Situationen verfahren werden muss. Zum einen war das der US-Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 (Sezessionskrieg) – beruhend auf einer tiefen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Spaltung der Bevölkerung. Und zum anderen war das die Entscheidung des Kriegseintritt gegen Japan, Nazi-Deutschland und den Faschismus in Europa.

Ich bete darum, dass es in den USA nicht zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt oder dass das Militär widerrechtlich gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt wird. Falls ja, dann sei Gott ihren Seelen gnädig.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

gez. Heiko Schilling-Klumpen
Freitag, den 13.11.2020