Russland, Ukraine – Zitate, Meinungen

Manchmal frage ich mich, ob die Welt von klugen Menschen regiert wird, die uns zum Narren halten, oder von Schwachköpfen, die es ernst meinen.

— Mark Twain

Russland, Ukraine – Zitate, Meinungen

„Es ist nicht in Kürze damit zu rechnen – falls es überhaupt je möglich ist -, dass Russland eine Neuauflage von Ländern wie den USA oder Großbritannien wird, in denen die liberalen Werte historisch tief verwurzelt sind. Für die Russen ist ein starker Staat keine Anomalie, die es loszuwerden gilt. Ganz im Gegenteil – sie betrachten ihn als Quelle und Garanten der Ordnung und als Initiator und Triebkraft jedes Wandels.“

Vladimir Putin (1999)

 

„Ich hätte mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können, je an einer Wahl teilzunehmen… Es scheint mir ein höchst schändliches Geschäft zu sein…. Man muss immer mehr versprechen als der Gegner, um Erfolgsaussichten zu haben. Ich will mir gar nicht vorstellen, Versprechungen machen zu müssen, von denen ich im Voraus weiß, dass sie nicht zu halten sind. Zum Glück lief die Präsidentschaftskampagne so ab, dass ich solche Dinge vermeiden konnte. Es blieb mir erspart, weite Teile der Bevölkerung zu täuschen.“

Vladimir Putin (2000, bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten Russlands)

 

„Die Mauern des Kreml sind seit Jahrhunderten von der Geschichte unseres Landes durchdrungen. Es steht uns nicht zu ‚Iwans ohne Erinnerung an ihre Geburt‘ zu sein. Wir sollten nichts vergessen. Wir sollten unsere Geschichte kennen, daraus lernen und im Gedächtnis behalten, wer den russischen Staat gegründet und seine Werte verteidigt hat, wer ihn groß und mächtig gemacht hat. Dieses Andenken und dieses Wissen werden wir über alle Zeit hinweg bewahren… und die besten Errungenschaften an unsere Nachkommen weitergeben. Wir glauben an unsere Stärke, daran, dass wir unser Land wirklich erneuern können… Ich kann ihnen versichern, dass mein Handeln ausschließlich von den Interessen des Staates geleitet sein wird… Ich betrachte es als meine heilige Pflicht, die Russen und Russinnen zu vereinen, sie um klare Ziele und Aufgaben zu versammeln und jeden Tag und jede Minute daran zu denken, dass wir ein Vaterland haben, ein Volk sind und einer gemeinsamen Zukunft entgegenstreben.“

Vladimir Putin (2000, bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten Russlands)

 

„Der Kommunismus hat seine Unfähigkeit, sich angemessen weiterzuentwickeln, deutlich gezeigt und unser Land dazu verdammt, dauerhaft hinter wirtschaftlich fortgeschritteneren Staaten zurückzubleiben. Er hat in eine Sackgasse geführt, fort von der Hauptströmung der Zivilisation.“

Vladimir Putin (2000, bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten Russlands)

 

„Jukos hatte vor, weiter Teile seiner Assets an den Westen abzutreten.. Die Profite, die (Chodorkowski) blitzartig eingefahren hatte, all die Vermögenswerte wären über Tarnfirmen ins Ausland geflossen. Hätten wir dem keinen Einhalt geboten, hätten wir die Kontrolle über unsere Öl- und Gasindustrie verloren. Wir wären für lange Zeit zu Sklaven der westlichen Industriellen geworden.“

(2003 anlässlich der Verhaftung Chodorkowskis, aus russischen Regierungskreisen)

 

„Putin erfuhr von den Emigranten, die während der Oktoberrevolution aus Russland geflohen waren und ihren Aufenthalt im Exil genutzt hatten, eine neue Ideologie für den Wiederaufstieg des Landes zu entwickeln, falls die Sowjetunion jemals zusammenbrechen sollte. Da war beispielsweise das Werk des Religionsphilosophen Iwan Iljin, der glaubte, dass Russlands neue nationale Identität auf dem orthodoxen Glauben und Patriotismus beruhen solle.. Dazu kamen die Schriften des Linguisten Nikolai Trubetzkoy und Lew Gumiljows, des sowjetischen Historikers und Ethnologen, der Russlands einzigartige Natur als eine Verschmelzung slawischer, europäischer und türkischer Kulturen nach Jahrhunderten der Invasion durch mongolische Horden darstellte. Diese Denker unterstrichen Russlands besonderen eurasischen Weg und propagierten die Philosophie des Eurasismus als Alternative zum Atlantismus des Westens. Putin bezog sich immer wieder auf diese Philosophie, als er sich bemühte, die erste gemeinsame eurasische Wirtschaftszone zu gründen, die zunächst Belarus, die Ukraine und Kasachstan einschließen sollte und dann ein größeres Imperium, basierend auf den Allianzen früherer Sowjetstaaten, das, wie er hoffte, eines Tages bis nach Europa reichen würde….

Ziel war es, eine Identität .. zu schieden, die es gegen den inneren Zerfall und einen Angriff von außen stärken würde. Direkte Nachfahren on Emigranten, von denen viele enge Kontakte zum KGB pflegten, wurden in Putins engsten Kreis geholt, um eine Brücke zu zu Russlands Großmachtvergangenheit zu schlagen. Einer von ihnen beschrieb die Philosophie, die Putins Herrschaft zugrunde liegt, als einen ‚Knoten mit drei Elementen. Das erste ist die Autokratie – eine starke Regierung, ein starker Mann, ein Papa, ein Onkel, ein Boss. Also ein autokratisches Regime. Das zweite Element ist das Territorium, die Heimat, die Vaterlandsliebe und so weiter. Das dritte Element ist die Kirche. Dies ist das Element, das alles zusammenbringt. Der Mörtel, wenn man so will. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich tatsächlich um die Kirche oder um die Kommunistische Partei handelt. Das macht keinen großen Unterschied. Schaut man sich die russische Geschichte an, hat man immer diese drei Elemente. Nur so lässt sich dieses Land zusammenhalten. Nimmt man ein Element weg, bricht es auseinander‘.“

Catherine Belton (Putins Netz)

 

„Seit 1686, als Russland und Polen das Land nach dreißig Kriegsjahren unter sich aufteilten, hatten Polen und Litauen große Teile der Westukraine kontrolliert. Auch wenn die sowjetische Herrschaft dieser Teilung eine Ende gesetzt hatte, blieb der westliche Einfluss in der Westukraine unauslöschlich bestehen, und die proeuropäische Unabhängigkeitsbewegung war unvermindert stark. Während seiner Amtszeit hatte Kutschma geschickt die prowestlichen und prorussischen Kräfte des Landes ausbalanciert. Aber nun war Juschtschenko aufgetaucht und stellte Putins Pläne fein eine stärkere Einheit der ehemaligen Sowjetrepubliken infrage. Die Parlamente beider Länder hatten im April die Gründung der gemeinsamen Wirtschaftszone ratifiziert. Aus Putins Sicht wurde Juschtschenko jedoch von westlichen Regierungen unterstützt, die es darauf abgesehen hatten, Russlands Wiederaustieg zu verhindern.

Juschtschenke trat mit Nachdruck für die Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union und die Nato ein – Kutschma hatte ihn als Ministerpräsident genau deshalb, wegen seiner prowestlichen Neigung, abgesetzt. Seine ukrainisch-amerikanische Frau war in Chicago aufgewachsen und hatte im US-Außenministerium gearbeitet. Die beiden hatten sich kennengelernt, als sie nebeneinander im Flugzeug saßen, was Putin als Rekrutierung Juschtschenkos durch die CIA interpretierte.“

Catherine Belton (Putins Netz, u.a. zu dem prowestlichen Ukrainische Präsidenten Juschtschenko)

 

„Indem wir näher zusammenrücken, erhöhen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit. Doch das wissen nicht nur wir, sondern auch ernstzunehmende Partner im Ausland.. Ihre Vertreter, sowohl in unseren Ländern als auch im Ausland, versuchen mit allen Mitteln, die Integration Russlands und der Ukraine zu stören.“

Vladimir Putin (2004, bei einem Treffen mit Kutschma in Jalta)

 

„Wir haben eine Kategorie von Leuten, die, wie man so schön sagt, über Nacht Milliardäre geworden sind. Der Staat hat sie zu Milliardären gemacht. Er verteilte ein gewaltiges Vermögen, praktisch gratis. Als sich das Spiel entwickelte, bekamen sie den Eindruck, als würden die Götter sie beschützen, als wäre ihnen alles erlaubt.“

Vladimir Putin (2003, die Oligarchen hatten unter Jelzin Staatsfirmen zu Ausverkaufspreisen gekauft, und der Kauf wurde in der Regel auch noch über staatliche Darlehen finanziert)

 

„Der Staat darf nicht die Kontrolle über strategische Wirtschaftssektoren verlieren .. Wir sollten die Kontrolle über die Ölförderung und -erschließung behalten…. Die Sowjetunion hat ungeheure Mittel in die Exploration und Entwicklung der Felder investiert, und nun streichen die Chefs der Mineralölkonzerne gewaltige Gewinne ein. Ölquellen und -reserven sind in jedem Fall staatliches Eigentum, kein privates. Der Staat hat also das volle Recht, diesen Prozess zu lenken.“

Sergej Iwanow (November 2003, russischer Verteidigungsminister, einen Monat nach Chodorkowskis Verhaftung)

 

„Die Vereinigten Staaten haben ihre Grenzen in allen Bereichen überschritten. Sie zwingen anderen Staaten wirtschaftlich, politisch und humanitär ihren Willen auf. Und wem gefällt das?…. Dies is eine Welt mit einem Herrn, einem Souverän. Und das schadet letztendlich nicht nur jedem innerhalb des Systems, sondern auch dem Herrscher selbst – denn er wird sich selbst von innen vernichten.“

Vladimir Putin (Februar 2007, Münchener Sicherheitskonferenz)

 

 

„Die Ermittlungen (gegen Bank of New York) führten zu nichts. Sie wurden blockiert. (Präsident) Clinton hatte keine Zeit dafür. Er wusste, dass Jelzin ein Scheißkerl war. Aber aus amerikanischer Sicht zählte vor allem, dass er ihr Scheißkerl war. Die USA gaben Russland Geld, und es wurde gestohlen. Aber das war ihnen egal. Clinton gab einfach noch mehr. Er hatte zu viel um die Ohren. Der Bank-of New-York Fall war aber eine Operation, die vom russischen Auslandsgeheimdienst über Mogilewitsch durchgeführt wurde. Es war definitiv eine Operation der russischen Sicherheitsbehörden, aber die USA ignorierten das.“

Juri Schwez

 

„Die Soft Power der USA scheitert… Sie haben schon keine Macht mehr. Die Zeiten, in denen sie die EU dominierten, sind vorüber. Nun ist Russland groß, genau wie China. Die USA besitzen heute keine Glaubwürdigkeit mehr. Was sie in Libyen getan haben, machen sie nun in der Ukraine. Vielleicht ist Amerika nicht klar, dass seine Macht schwindet.“

Serge de Pahlen (Großfürst Wladimir Kirillowitsch, letzter direkter Nachfahre des russischen Zaren, Mai 2014, Interview mit Catherine Belton)

 

„Tut mir leid, wenn das nicht politisch korrekt ist, aber die Ukreine ist ein Teil Russlands …. Sie wurde künstlich auf den Ruinen des russischen Imperiums erschaffen.“

Konstantin Malofejew (Bloomberg Interview)

 

„Aus Russlands Sicht ist das eine Schlacht ums politische Überleben…. Als die USA entstanden, war es bereits eine Großmacht. Und es kann in keiner anderen Form existieren.“

Konstantin Malofejew (Interview mit Catherine Belton, 23.4.2014)

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