Faschismus

Vier feindselige Zeitungen sind mehr zu fürchten als tausend Bajonette.

— Napoleon Bonaparte

Faschismus

“Das Syndrom, welches unmittelbar nach dem Weltkrieg unter dem Namen ‚Faszismus‘ auftauchte, ausgehend von Mussolinis linksnationalistischer, in schwarzen Hemden paradierender Kampfbundbewegung, war in zahlreichen politischen, militärischen und kulturellen Formationen wirksam, die nach 1917 und 1918 den Übergang aus dem einen Krieg in den folgenden fühlten, fordererten, glorifizierten und praktizierten – in den Freikorps, in den Bürgerkriegsverbänden, in den Sturmabteilungen der parlamentarischen Parteien, in den revolutionären Kadern der Linken und in machen Sektionen der aufgewühlten Kunst.

Man findet den faschistischen Impuls – den Willen zum Weiterkämpfen nach dem Krieg der Kriege – an vielen Orten, auch solchen, an denen er sich nicht so nennt, nicht zuletzt bei denen, die sich besonders lauthals als dessen Gegenteil deklarieren. Faschismus ist die Zustimmung zur Unmöglichkeit der Demobilisierung. Er manifestiert sich in dem Bestreben, unter Waffen und im Angriff zu bleiben – warum nicht an anderen Fronten und mit anderen Feinden?

Man darf im Faschismus darum weder eine bloße Partei noch eine gewöhnliche Ideologie sehen. Er ist seiner elementaren Gebärde nach ein straßenpolitischer Militarismus mit kampfbündischen Zügen, dem Geist der Demobilisierungsverweigerung entsprungen. Anders formuliert: Faschismus ist der Wille zum Dasein im ununterbrochenen Aufmarsch – Mussolini definiert ihn als den ‚Horror vor dem bequemen Leben‘. Faschismus ist die Stimmung, die sich in der Überzeugung kondensiert, das Wort ‚Nachkriegszeit‘ sei nicht mehr als eine Verbindung sinnloser Silben. Er gründet in dem nach 1917 und 1918 links wie rechts epidemisch gewordenen Glauben, ein Krieg ohne Danach habe begonnen, ja dieser umfassendere Krieg sei seit jeher in Gang gewesen. Man dürfe sich der Einberufung in ihn nicht entziehen.“

Peter Sloterdijk (Die schrecklichen Kinder der Neuzeit)

 

„Faschismus ist der Wille zum Dasein im ununterbrochenen Aufmarsch – Mussolini definiert ihn als den ‚Horror vor dem bequemen Leben.‘

Peter Sloterdijk (Die schrecklichen Kinder der Neuzeit)

 

“Faschismus ist die Pose von Leuten, die die Mobilmachung mit dem Sieg verwechseln.“

Oswald Spengler

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